Freitag, März 29, 2013

Ich bin schuld

Karfreitag by Joachim S. Müller
Jesus, ich trage mit Schuld an deinem Tod.

Ich bin dein Jünger, und will selbst der Größte sein und über die anderen herrschen, anstatt meinen Geschwistern zu dienen.

Ich bin dein Jünger, und kann nicht mal wach bleiben, wenn du in Todesangst um mein Gebet bittest. Mich übermannt der Schlaf, weil ich die Wichtigkeit der Situation nicht erkenne, und so in Gefahr laufe, in Anfechtung zu fallen.

Ich bin Judas, und verrate dich mit meinem Kuss, weil meine Hoffnung auf deine weltliche Herrschaft enttäuscht wurde, weil ich die Sicherheit von Geld und Reichtum so verehre und jetzt, wo alles verloren ist, wenigstens eine sichere Altersversorgung für mich dabei herauskommen soll.

Ich bin ein bewaffneter Knecht der Hohenpriester und komme um dich zu verhaften, weil du mein religiöses Weltbild störst und die, denen ich nachfolge, dich als den Verursacher ausgemacht haben.

Ich bin dein Jünger und fliehe, weil ich nicht den Mut und die Kraft habe, bei dir zu bleiben und mir mein Leben wichtiger ist als du.

Ich bin die Magd, die einen Gefolgsmann von dir erkennt und verrät, weil man immer auf der Seite der Obrigkeit sein muss, immer die Wahrheit sagen muss und weil ich mir einen Vorteil davon erhoffe.

Ich bin Petrus, und bilde mir ein, alles ertragen zu können für dich, und greife zum Schwert und verletze andere Menschen, ja, ich will sogar für dich töten. Ich meine, selbst dem Tod ins Auge blicken zu können, und verrate dich doch bei dem geringsten Widerstand und breche dann zusammen und gebe auf: Dich und mich.

Ich bin der Hahn, der kräht, weil es eben Morgen wird, und es ja irgendwie weitergehen muss. Ich wähle bewusst keine Seite, denn es ist sowieso alles nur Chaos und keiner kann Orientierung geben.

Ich bin einer der Männer, die dich verspotten und schlagen, und dann verlange ich Weissagung darüber von dir, nur um zu sagen, dass du das ja doch nicht kannst.

Ich bin der Hoheprieser und warte auf den Messias, aber dich einfachen Rebellen kann ich nicht ertragen. Alle deine Reden und Taten überzeugen mich nicht, weil ich meine eigene Vorstellung von dir einfach nicht aufgeben will.

Ich bin König Herodes und will aus Neugier mit Wundern unterhalten werden, und weil du mir das nicht gibst, verspotte ich dich und lasse dich schlagen.

Ich bin Barabbas, der Verbrecher, und begreife nicht, was du tust, in dem du für meine Freiheit mit deinem Leben bezahlst.

Ich stehe in der Menge und rufe laut mit der Masse: "Kreuzige, kreuzige ihn!", auch wenn ich dir Palmsonntag noch zugejubelt habe, weil du meinen Erwartungen nicht entsprichst. Deine Herrschaft hätte schon längst da sein können aber die Unterdrücker sind immer noch im Land. Ich gebe dir die Schuld am vielen Elend in der Welt, es könnte doch so viel besser sein.

Ich bin Pilatus und beuge mich dem Willen der Massen, obwohl meine Frau mir rät und ich auch selbst spüre, dass an dir mehr dran ist und etwas an der Sache nicht stimmt.

Ich bin der Soldat, der dir eine Dornenkrone aufdrückt und einen Mantel umhängt, um dich zu verspotten, weil ich vor meinen Kameraden nicht schwach sein kann und hier die Chance habe, Frust abzubauen.

Ich bin der Soldat, der dich abführt und ans Kreuz nagelt. Weil ich Befehlen der Vorgesetzten gehorchen muss und weil mir Land versprochen wurde, wo ich mich mit meiner Familie ernähren kann, wenn ich meinen Dienst erfüllt haben werde.

Ich bin der Verbrecher, hänge neben dir am Kreuz und spotte: "Du könntest doch dir und mir helfen!", weil für mich jetzt sowieso alles zu spät ist und ich diese letzte Chance einfach nicht erkenne.

Ich bin auch der andere Verbrecher, und erkenne, dass nur bei dir die Erlösung von all meiner Schuld zu finden ist.

Du sagst: "Es ist vollbracht."
Und bezahlst mit deinem Leben für meine Freiheit von aller dieser Schuld.
Danke.

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