Donnerstag, Februar 23, 2012

Die Gefahr bei Fotos von designgeschützen Objekten

Alter Stuhl by Joachim S. Müller
Auch wenn ich mittlerweile eine Spiegelreflex mein Eigen nenne, bin ich Februar 2009 noch ohne eine solche von Getty Images bei flickr ausgewählt worden, worüber der Focus berichtete. Getty Images ist eine der größten Bildagenturen und hat seither drei Fotos von mir gelistet [Nachtrag 2013: Sind nicht mehr verfügbar], für die sich aber niemand interessiert. Ich wollte denen nicht gerade meine Sahnestücke exklusiv einstellen.
Und so bekam ich, wie vermutlich alle dort gelisteten Fotografen, am 13. Februar 2012 eine eMail von getty, in der darüber berichtet wurde, dass die Erben eines Möbeldesigners gegen die Veräußerung von Fotos mit deren designgeschützen Möbeln darauf geklagt haben. Ich äußerte danach auf Twitter die Vermutung, dass dieser Umgang durch das geplante und schwer umstrittene Handelsabkommen ACTA auf alle im Internet veröffentlichten Fotos ausgeweitet würde.

Zu den rechtlichen Problemen mit Designer-Möbeln auf Stockfotos schrieb der erfahrene Fotoproduzent Robert Kneschke in seinem Blog einen Artikel darüber, zu dem ich ein Kommentar schrieb, dass ich hier leicht modifiziert wiedergebe, da es in die Reihe meiner Gedanken zum Fotorecht passt.

Ich sehe in dieser Klage ein Beispiel der fortschreitenden Tendenz, dass Recht nur noch dem vielen Geld folgt.
Designer von Objekten greifen immer auch auf anderes zurück. Weder haben sie Sitzmöbel an sich erfunden, noch sind ihre Stücke frei von den Eindrücken, die sie in ihrem Leben gesammelt haben. Ich erinnere daran, dass wir alle nur Zwerge auf den Schultern von Riesen sind, ob wir nun ein Sitzmöbel designen, ein Foto davon anfertigen oder wie ich hier einen Satz von Bernhard von Chartres wiedergeben.
Wenn nun jeder für alles bezahlen muss, wovon man irgendwie argumentieren kann, dass es unter das Verwertungsrecht eines anderen gehören würde, wird die finanzielle Schranke für den Einstieg in Kunst und Kultur höher und höher gelegt. Die freie Teilhabe und Teilnahme an Kultur wird auf diese Art unnötig erschwert, worin ich sogar einen Einschnitt in dieses Grundrecht sehe. Volkswirtschaftlich und kulturell wird damit ein erheblicher Schaden angerichtet, der sich als Kosten für den Ausgleich von herbeigefühlten Verlusten Einzelner in keiner Weise verargumentieren lässt.

Ein Foto eines dreidimensionalen Objekts, vor allem wenn es Beiwerk ist, ist wirklich etwas anderes, als ein nachgebauter Stuhl oder eben ein 1-zu-1 abfotografiertes Foto. Ich wünsche mir hier Klarstellung vom Gesetzgeber, dass eine Beeinträchtigung nur dann gegeben ist, wenn ein zumindest funktionsähnliches Derivat angefertigt wurde.
Eine Argumentation mit einer mindestens notwendigen Schöpfungshöhe anstatt klarer Regeln zur Entscheidung, ob ein Werk verwertet werden darf, das nachweisbar auf Werken anderer aufbaut, halte ich hier für schwierig. Dann müsste letztlich von Dritten entschieden werden, was Kunst ist, und was nicht. Dadurch wäre keine Erhöhung der Rechtssicherheit gegeben, da dies ja eben noch entschieden werden müsste.

In Deutschland halte ich die Beanstandung von Fotos, auf denen designgeschütze Objekte wirklich als Beiwerk erscheinen nach UrhG § 57 für nicht durchsetzbar. Inwieweit einem das bei einem auf einer internationalen Plattform angebotenen Foto tatsächlich hilft, sei dahingestellt. Ich wünschte, die Bewegung würde in der Richtung gehen, diese Freiheiten auf andere Staaten zu übertragen, anstatt alle Einschränkungen weltweit aufzuaddieren (z.B. mittels Verträgen wie ACTA), und am Ende nur noch mit Hilfe von einem Dutzend interationaler Anwälte mühevoll einzelne Fotos gefahrlos veräußern zu können.

Typisch für solche Fälle wie in dem vorliegenden ist, dass es die Erben eines goßen Künstlers sind, die da auf Kosten des Ansehens ihres Vorfahrens und weltweiter Kulturkonsumenten ihren Geldbeutel füllen wollen. Googlet z.B. mal nach Loriot und Briefmarke. Die “Wertminderung” halte ich für ein fadenscheiniges Argument, um an die Strafzahlungen zu kommen.

Wäre ich der Designer eines Sitzmöbels, würde ich Fotografen und Studios jetzt damit bewerben, dass es unter Creative Commons steht, und ich sie niemals dafür zur Kasse bieten würde, wenn es auf Fotos erscheint. In der Hoffnung, einige Stücke davon abzusetzen. :-)
Als bewußter Kunde weiß ich jetzt auch, zu welchen Möbelstücken ich nicht greifen werde und auch niemanden dazu ermutigen werde, sie zu erwerben.

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Comments:
Tja... das ist alles schon echt verrrückt, ich meine bist du ein niemand, musst du teures Geld zahlen, damit irgendwer irgedein Foto von deinem Kram macht um diesen zu bewerben. Gehörst du aber zu den großen dreht sich der Spieß um, dann muss jeder schon dafür zahlen, dass er Fotos machen darf. Das ist doch bekloppt. Diese Designer sollten froh sein, dass ihre Sachen abgelichtet werden. Sie könnten ja auch wie viele andere ihrer Kollegen sicherlich, in der Versenkung verschwinden. Aber ich glaube fast, so ein Aufhebens darum zu machen ist auch ne Art von PR. Hauptsache man bleibt im Gespräch.
 
Ich mache mir auch in letzter Zeit mehr und mehr Gedanken darüber, dass man im künstlerischen und designerischen Beruf heutzutage wirklich krass in Gefahr läuft, verklagt und ruiniert zu werden. Alleine wenn man schon sieht, wie hoch die Summen sind, auf die die Leute teilweise verklagt werden, wegen "Persönlichkeitsrechtsverletzung", und das obwohl die Person zum Einen als Sportler in der Öffentlichkeit auftrat und nunmal damit rechnen muss, dass von ihr Fotos gemacht werden, und zum Anderen, das Foto sie nichtmal in einem schlechten oder diffamierenden Licht dargestellt hat. So etwas darf einfach nicht sein! Manche Menschen nutzen dies mittlerweile sogar schon als nette zusätzliche Einnahmequelle! Kunst, Berichtserstattung und was noch alles damit zusammen hängt, wird mehr und mehr unmöglich gemacht, es ist absolut unverhältnismäßig. Haben wir nicht wichtigere Dinge, die wir schützen müssen? Zählt nur noch das Geld? Wo liegen in der heutigen Gesellschaft unsere Werte? Ich fürchte auch schon den Tag, an dem ich meine Kamera verkaufen muss, um nach einer Verklagung wegen was auch immer, noch mein Dach über dem Kopf behalten zu können.
 
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