Samstag, September 02, 2006

Review der Lego® Wikingersets aus 2006: 7020 + 7021

Nachdem letztes Jahr Lego endlich auf das Thema Wikinger gekommen ist, habe ich mir auch gleich die ganze Kollektion zugelegt. Obwohl die Skandinavier diesem Erbe näher stehen sollten, als eine gewisse Spielzeugfirma in Zirndorf, haben sie Piraten und Rittern sehr viel länger den Vortritt gelassen.
Dieses Jahr haben die Billunder noch zwei Sets zu dieser Reihe nachgelegt. Nur zwei. Lief wohl nicht ganz so erfolgreich, wie gehofft.
Die Bilder sind immer Links zu größeren Versionen, und dort kann man dann auch noch größere laden

MISB 7020 + 7021 Die Kartons kommen in dem von Lego gewohnt guten Design, haben aber keine Besonderheiten wie ein Relief oder Klappdeckel.
Auffällig ist der Schriftzug “new” rechts unten, der richtig draufgedruckt und nicht etwa aufgeklebt ist. Was machen die, falls es nächstes Jahr noch eine Wikinger-Erweiterung gibt? “even newer” draufschreiben? Oder kommen die gleichen Sets nochmal ohne diesen Schriftzug? Ist das gar ein Hinweis das Ende der Wikinger-Ära bei Lego? Ich will es nicht hoffen.
Man sieht gleich von außen, die Regel des letzten Jahres, daß jedes Wikinger-Set ein Monster aus der nordischen Sagenwelt und einen Schatz enthält, verletzt wurde: 7020 enthält keinen Gegner und 7021 keinen Schatz, der verteidigt werden sollte. Schade eigentlich. Es empfiehlt sich wohl, beide zu kaufen.


7020 Das Set 7020 wird auf der Webseite “Wikinger-Armee mit Artilleriewagen” genannt. Und für Lego-Verhältnisse sind sieben bewaffnete Minifiguren, die das Set enthält, wirklich eine Armee. Das läßt ein fehlendes Monster wirklich verschmerzen.
Der Straßenpreis lag bei mir bei 19,99 €, das wären ca. 6,5 Cent durchschnittlich für eins der 312 Teile, angemessen, würde ich sagen. Vor allem wenn man größere Wikingerarmeen aufbauen will ist dies absolut das Set der Wahl.
Die Teile sind ordentlich in Tüten, Aufbaugruppen sind in diesem Set nicht notwendig. Die für diese beiden Sets neu gemachten Räder liegen lose bei, wie das bei Teilen dieser Größe üblich ist. Wie schon oft kritisiert, liegt die Anleitung lose im Karton, was sie gerne verwellen läßt, wie bei meiner zu sehen. Aufkleber sind keine enthalten. Die Anleitung enhält am Ende eine bebilderte Einzelteilliste, was die Wikinger-Sets des letzten Jahres noch nicht hatten.

7020 Das Katapult läßt sich sehr einfach aufbauen, die Anleitung ist klar verständlich und deutlich. Wie immer gibt es nur das Problem, daß man auf den ersten Blick nicht so recht weiß, ob ein abgebildetes Teil schwarz oder dunkelgrau sein soll. Komischerweise sind die Technikpins ganz schwarz gedruckt, auch wenn sie in ein schwarzes Teil gesteckt werden sollen, daß eher dunkelgrau gedruckt ist.
Etwas schwierig fand ich auch die Zuordnung der richtigen Köpfe zu den einzelnen Wikingern. Es sind sieben verschieden bedruckte Köpfe in dem Set, in der Anleitung sehen aber drei nahezu gleich aus. Ich habe dann geraten, wie die anleitungsgemäße Zuordnung sein könnte. Aber Dank der von Lego gewohnten Freiheit, läßt sich das sowieso beliebig gestalten. Die Zuordnung der Waffen ist auf der Verpackung auch anders, als in der Anleitung. Überhaupt finde ich es sehr gut, daß es in allen Sets total individuelle Wikinger sind. Einer dieser Wikinger hat nur eine Fahne oder Standarte, kann sich aber einen der drei am Katapult befestigten Speere schnappen, wenn es ernst werden sollte.
Leider halten wie im letzen Jahr die Helme nicht gut genug auf den Köpfen.
Das Katapult ist sehr viel größer als das aus 7017, das dagegen richtig winzig aussieht. Vor allem die neuen Räder geben dem Katapult sein wuchtiges Aussehen. Es ist ein wirklich schönes Katapult, das zum sofortigen Spiel einläd.
Die Konstruktion, an der die Wikinger-Armee das Katapult zieht, wirkt dagegen ein wenig unbeholfen und grob: Zwei simpel hintereinander fixierte einfache Technik-Lochbalken in die versetzt Technikpins gesteckt werden, in denen wiederum Stäbe stecken, die den Wikingern als Griffe diesen. Es ist völlig unverständlich, warum nur die vorderen vier Wikinger von einem Schild an ihrem Griff geschützt werden. Der ebenfalls schildgeschützte Stand für den Häuptling, der diesmal ohne Umhang auskommen muß, ist auch arg schlicht gehalten.
Man kann dieses Element, daß durch zwei Technik-Pins am Katapult befestigt ist, aber einfach entfernen. Es fällt einem auch sicherlich ein nettes Detail für die Abdeckung der dadurch entstehenden Lücke ein.
Die mit einem Scharnier angebrachten seitlichen Schildelemente mit den bedruckten Fliesen, die auch in dem anderen neuen Set so vorhanden sind, können bei diesem Set nicht ganz nach hinten geklappt werden, da sie davor an den Rädern anstossen und dann schleifen.

7020 Das Katapult ist diesmal mit zwei parallelen Vorrichtungen zum Abfeuern der kugelbekopften Technikachsen ausgestattet. Besonders interessant ist die Kurbel, mit der man die Pfeile immer abwechselnd und sehr präzise abfeuert, wie man ja in dem Film in meinem letzten Blogeintrag sehen kann.
Die Katapultfunktion ist ansonsten die gleiche wie im großen Wikinger-Schiff 7018 und dem letztjärigen Katapult 7017. Das Feder-Teil ist eigentlich aus den Sport-Sets bekannt zum schießen eines Balls, die Technik-Balken ohne Noppen dienen als Magazin, die durch einfaches nach unten Rutschen den nächsten Pfeil in Position bringen. Auf einen Techik-Pin am oberen Ende gegen das komplette Durchrutschen haben sie diesmal verzichtet, die Teile bleiben unten ohnehin stehen. Dadurch ist ein Pfeil mehr verschiessbar, und das pro Magazin.
Die Farben sind nicht mehr ganz so wild verteilt, wie bei dem Schiff, aber der Usus, daß bestimmte kleine Technik-Teile allermeistens in nur einer Farbe vorkommen, ist auch in dieses Sets so, was ich gerade bei Wikinger-Sets besonders unpassend finde. Die Bauwerke und Katapulte der Wikinger sind sonst in Braun für Holz und Dunkelgrau für Metallbeschläge gehalten, es mischen sich noch ein wenig Schwarz und Hellgrau darunter, aber das ansonsten nicht verwendete Blau der Technik-Pins mit Kreuzachse sticht sehr unschön hervor. Früher gab es die mal in Schwarz, warum nicht auch in den Wikingersets? Abenso ist es mit anderen kleinen Technik-Teilen, die in allen Wikingersets in beinahe jedem Fall besser eine zu ihrer Umgebung passende Farbe hätten.
Besonders unpassend erscheint bei dem Schutzschild von diesem Katapult die unteren kleinen Dreiecke außen: Sie sind ohne jeden Bezug Hellgrau, was soll das sein?
Wenn schon eine andere Farbe, hätte für den ganzen Schild doch das helle Braun des Schildes an dem Katapult auf dem großen Schiff getan.

7020 Ein sehr schönes Detail sind die Klappen, mit denen man die Schießscharten verschließen kann. Die Funktion ist zwar fragwürdig, da sich alle Wikinger vor dem Katapult befinden, aber sie stellen ein spielerisches Detail dar, was ich an dem letzjährigen Katapult vermisse.
Es fällt auf, daß dieses Katapult nicht den sonst typischen Seitenstand für einen Schützen hat, wie alle anderen Katapulte dieser Serie. Man vermisst ihn aber nicht wirklich, wobei er vielleicht einen ansprechenderen Platz für den Häuptling böte.

7020 Das Katapult hat diesesmal eine richtige vorgesehene Stelle für die Schatztruhe, was vorher nur dem großen Schiff vorbehalten war, ist hier aber durch die herausnehmbare Platte schöner gelöst. Nach dem die Sets des letzten Jahres in ihren Schätzen jeweils nur eine transparente Farbe für die Juwelen hatte, sind diesmal drei verschiedene enthalten. Interessant ist, daß das Wasserfaß bei den Schätzen gelagert wird. Schade, daß die Becher nicht in dem gesprenkelten Gold des Häuptlingshelms gehalten sind, daß wäre wirklich ein schönes Detail.


7021 Das Set 7021 wird auf der Webseite “Gepanzerter Drache Ofnir gegen Doppelkatapult” genannt. Nachdem in dem letztjährigen Katapult-Set 7017 Nidhogg antrat, haben sie einen weiteren Weltenesche annagenden Drachen aus der Edda entlehnt. Ob uns wohl nächstes Jahr Swafnir begegnet?
Die Tüten sind durch aufgedruckte Nummern in zwei Gruppen aufgeteilt, eine für Ofnir und die andere für das Doppelkatapult. Es gibt noch eine extra Tüte mit den großen Teilen aus beiden Baugruppen.
Die Anleitung liegt auch lose bei, allerdings ist sie nicht verwellt gewesen. Die einzigen Aufkleber sind die zwei für die kleinen Schilde und das Papier mit ihnen ist auf die Anleitung hinten aufgeklebt, wohl damit es nicht verloren geht oder verknickt.
Mit einem dem empfohlenen Richtpreis entsprechenden Straßenpreis von 41,99 € kommt man auf einen Durchschnittspreis von ca. 8,5 Cent pro eines der 505 Teile, was ziemlich teuer ist.

7021 Die Anleitung ist auch hier in gewohnt guter Lego-Qualität. Die Aufteilung der Bauteile in die Baugruppen erleichtert das Aufinden der Teile, die auch hier in der Anleitung hinten mit Bild aufgelistet sind.
Die Rüstung des Drachen, sein Kopf, der Kopf und die Hörner an dem Katapult und die Speere sind in der relativ neuen Farbe Perl-Hellgrau gehalten, eine art nichtglänzendes Silbergrau, wie schon die Schwerter der vorherigen Wikingersets und die Schilde an den Katapulten der Wikinger-Festung 7019.
Der Drache ist größer als die anderen beiden großen Drachen Nidhogg und Fafnir, er ist sogar etwas länger als die Midgard-Schlange aus 7018, dem Wikinger-Schiff.
Das Feuer im Mund ist ein multifabenes Teil, was wohl eher als Waffe von Bionicle bekannt ist, und nicht we vorher die üblichen kleinen orangetransparenten Flammenteile. Das kleinere Paar Flügel am Schwanz ist ein nettes Detail und lädt zum Bau eines Mittelgroßen Drachen ein.
Leider gibt es keine halben Technik-Pins mit Friktion, do daß sich die damit fixierten kleinen Hörner, die an vielen Stellen der Drachen zur Zierde eingesetzt werden, zu leicht drehen. Selbst nach einem Jahr war Lego also nicht in der Lage, dieses Manko zu verbessern.

7021 Auch Ofnir kann in seinen Klauen einen Wikinger “festhalten”, in dem man diesen durch seine Waffe daran fixiert. Das aufrechte Stehen, was dieser Drache als erster kann, da er hinten Füsse und nicht ebenfalls Klauen hat, wie seine älteren Brüder, fällt ihm dennoch etwas schwer. Hierfür habe ich das erste Element des Schwanzes um 90° gedreht, damit man es entsprechend abwinkeln kann. Der Schwanz ist insgesamt viel zu leicht um dem Körper und Kopf des Drachen ein Gegengewicht zu bilden. Man muß die Flügel relativ weit zurück nehmen, damit er steht. Ich denke, das mindert den Spielspaß für Kinder etwas, wenn der Drache dauernd umfällt und nicht richtig stehen will.
Die Hintereine kann man zwar an den oberen Gelenken nach außen stellen, aber da man die Füsse nicht etsprechend nach innen verstellen kann, kann er nicht vernünftig breitbeiniger dastehen.
Ich vermisse die großen Hörner hinten an den Mittelteilen der Flügel, dafür sind aber an den Mittelteilen der Vorderbeine zusätzliche kleine Hörner.

7021 Der Drache hat zwischen den großen Rüstungselementen auf dem Rücken eine Vertiefung, die dazu einlädt einen Wikinger auf ihm reiten zu lassen. Bei den anderen Drachen funktionierte das auch ohne diese Vertiefung prima, und ohne einen Reiter wirkt er ein wenig wie die Pferde, wenn man keinen Stein in die Reiterlücke baut. Dafür reichen die Ketten an ihm sogar bis zu diesem Platz, um wie Zügel gehalten zu werden.
Die Rüstung und die Ketten von Ofnir, welche ja menschengemachte Elemente sein müssen, drängen einem eine mögliche andere Geschichte als bei den anderen Sets auf. Dieser Drache könnte bereits unterworfen sein und den Wikingern im Kampf gegen die anderen Sagenmonster beistehen.

7021 Das Katapult ist auch recht groß im Vergleich zu den Vorgängern, hat aber auch den typischen seitlichen Stand für einen Wikinger.
Die schildbewehrten runden Teile vorne an den Armen stellen die Gewichte der Ballistika-ähnlichen Katapulte dar, die aber in der technischen Wirklichkeit des Lego-Sets keine Bedeutung haben. An den roten Hebelchen hinten sieht man irgendwie in einem Bogen nach hinten unten, um mit direkt angewendeter Kraft die Schleuderbewegung auszuführen. Dies ist nicht intuitiv erfassbar, man muß sich durch Hochheben des Katapultarmes erst mal den Weg ansehen, den man da ziehen muß, um sie richtig zu bedienen. Die hinten gelagerten Geschosse fliegen dann nicht ganz so weit, da ein Anschlag für die Arme fehlt, damit es bei einem besseren Winkel ausklinken kann. Die Geschosse selbst sind durch die Mischfarben aus grau uns transparent-neonorange aber sehr interessant und erinnern tatsächlich an glühende Lavageschosse oder so etwas. Wenn man sie richtig schiesst, platzen sie am Boden auf und lassen die drei darin befindlichen ebenfalls transparent-neonorangen Rundeiner frei. Um sich eine Explosion vorzustellen benötigt man bei dem Anblick wirklich nicht mehr viel Phantasie, das ist sehr gelungen. Allerdings bekommt man Angst, daß die Geschosse den häufigen Gebrauch nicht überleben, man hat ja noch nicht mal welche zum Nachladen.
Wo die Wikinger diese Geschosse aufheizen oder entzünden bleibt unklar, eine Vorrichtung dafür gibt es nicht.
Als obere Begrenzung der Geschosskörbe der Katapulte dienen je zwei kleine weiße Hörner. Diese halten aber nicht richtig in den Seitenteilen. Das sind zwar Achslöcher, wo die stangenbreiten Hornenden zwar halten sollten, aber bei diesen geht es irgendwie nicht. Ein klein wenige Klebefilm um die Enden der Hörner half aber.
Die Räder sind wie bei 7020, allerdings sind hier keine kleinen Hörner als Zierde eingesetzt. Schade eigentlich.

7021 Beonders hübsch sind die bedruckten 1x4 Fliesen, von denen beide neuen Sets je zwei enthalten, die an einer Art Corporate-Design Element verbaut werden, das beide neuen Katapulte auf beiden Seiten des Schildes angebracht haben. Wenn man im Gegensatz zu mir größere Bestände an Steinen in Altbraun hat, wird man da zu Recht jammern, daß man diese Teile nur in dem neuen Rotbraun erhält.
Völlig unmotiviert wird in diesem Set die Farbe Weiß verwendet. Da, wo ich es gut gefunden hätte, nämlich an dem Drachenkopf, damit er mehr wie ein Schädel wirkt, ist es nicht vorhanden, der ist Perl-Hellgrau. Aber die Einerplättchen mit Griff unten sind Weiß, das ist nicht schön. Innerhalb des Rumpfes sind auch ein paar weiße Teile an nicht sichtbaren Stellen verbaut. Da macht zwar bei diesem Aufbau keine Probleme, mindert aber die Möglichkeit der Alternativbauten. So was mach ich ja in Eigenbauten verstehen, da man die Farben des Objektes nicht auch innen “vergeuden” will, weil man einfach nicht genug davon hat. Aber Lego selbst sollte doch von den Teilen in allen Farben genug haben.


Also insgeammt sehr schöne Sets, gut bespielbar und phantasieanregend.
7021 sollte allerdings höchstens 33 € kosten, aber vermutlich wird man es bald auch dafür bekommen. Schade sind die genannten Farbpatzer und das Teil, mit dem die Wikinger das Katapult 7020 ziehen, könnte etwas formschöner sein.
Kleinteile sind zwar oft mehrfach vorhanden, aber genau die, die man wahrscheinlich verliert, nämlich die Schätze und die Munition sind es nicht.
Insgesamt sollten auch noch all die Hörner und die halben Technik-Pins weniger leicht drehen.

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