Samstag, August 13, 2005

Weltbilder und Wissenschaften

Ich antworte hiermit auf eine Frage in dem Beitrag Wieder mal Kreatives aus dem Lehrerzimmer Blog. Ich empfand es beim Schreiben auch für meine Leser interessant und beherrsche Backtrack leider nicht. (Geht das mit Blogger.com überhaupt?)

Erst mal etwas Grundlegendes zum Thema Gottesbeweis. Ich halte es für nicht möglich, daß es eine wissenschaftliche Be- oder Widerlegung einer Gottesexistenz gibt. Aber das wiederum denke ich nicht dogmatisch, denn Gott hat nie behauptet, er sei nicht beweisbar. Man kann also nicht wie Douglas Adams übertrieben darstellt durch einen Gottesbeweis ihn in einem Logikwölkchen verschwinden lassen. Es darf durchaus Dinge geben, die auf Gott hinweisen. In der Bibel finden wir einige Stellen, die ausagen, daß man ihn in der Schöpfung erkennen kann. (z.B. Römer 1,20)

Es gibt Weltbilder, und die stehen immer außerhalb jeglicher Wissenschaft.
Strengenommen philosophisch können wir gar nichts für absolut wahr annehmen, alles könnte nur Schein sein, nur elektrisches an unseren Gehirnen oder gar nur psionisches an unserem Bewußtsein. Ich gehe davon aus, daß diese extremen Denk-Positionen, wie der radikale Skeptizismus bekannt sind. Aber wir sind alle (oder zumindest fast alle) fest und unumstößlich davon überzeugt, daß die Welt real und in etwa so ist, wie wir sie mit unseren Sinnen und unsere Sinne erweiternden Techniken erfassen können. Wissenschaftlich tatsächlich beweisen können wir es aber prinzipbedingt nicht.
Man hilft sich an solchen Stellen oft mit Occam's Razor, in dem man alles nicht zur Erklärung nötige verbannt. Das ergibt dann zwar das bessere Modell, aber nicht unbedingt die Wirklichkeit. Häufig haben spätere Überlegungen und Forschungsergebnisse alte Theorienkonstrukte abgelöst, die davor nach Occam's Razor als "plausibel" bewertet werden mußten, aber offenbar eben nicht wahr sind. D.h. mit Occam's Razor kommt man zwar zu den besseren Theorien und Modellen, aber nicht notwendigerweise zur Wahrheit.
Bestimmte Dinge können wir nicht direkt naturwissenschaftlich erfassen, da sie nur indirekt meßbar sind. Träume und Gefühle sind das meiner Meinung nach beste Beispiel dafür. Wir können körperliche Reaktionen und Auswirkungen dieser Phänomene beobachten und messen, die Sachen an sich aber nicht. Man könnte sich dort nun auch einfachere Erklärungen überlegen, die Träume und Gefühle außen vor lassen und als unnötige Faktoren ausschließen. Wenn nur äußerst wenige Menschen sich an ihre Träume erinnern würden aber alle von außen messbare REM-Phasen im Schlaf hätten, dann wäre die wissenschaftliche Mainstream-Überzeugung vermutlich auch so, daß die Träumer sich das nur einbildeten. Aber diese Menschen wären genau wie wir absolut fest davon überzeugt, daß sie wirklich träumen.

Das nenne ich Glaube. Er ist mehr als Wissen.

Es gibt nun verschiedene Weltbilder. Z.B eines, in dem eine Existenz eines höheren Wesens irrelevant ist, und in dem es nicht eingreift. Und ein anderes - u.A. meines - das fest von der Existenz eines eingreifenden Gottes ausgeht. Keine irgendwie geartete Wissenschaft kann etwas über den möglichen Wahrheitsgehalt dieser Weltbilder aussagen.

Die Menschen, die im ersten Bild denken und handeln versuchen nun häufig aus der im Hintergrund dieses unbeweisbaren Weltbildes mit Hilfe von Mitteln aus der darin aufgebauten Wissenschaft das andere Weltbild zu widerlegen. Sie wenden z.B. den genannten Rasierer Ockhams - ein Werkzeug für Theorien und Modelle in der Wissenschaft - auf ein anderes Weltbild an. Eine illegitime Grenzüberschreitung.

Menschen in dem Weltbild mit Gott dürfen aber auch Wissenschaft betreiben. Man könnte da nun billigstes Lückenbüßertum betreiben und Gott rekalibriert immer nur auf der subatomaren Ebene, bis Geordy LaForge das auch eines Tages können wird, dann muß Gott eben noch weiter in den Hintergrund rücken. Aber man kann eben auch in der Welt nach Hinweisen suchen, die eben nicht plausibel ohne Eingreifen höherer Mächte so erklärt werden können oder auf einen Erschaffer, einen Designer hinweisen.

Beispiel sei ein uns als "Faustkeil" bekanntes Objekt. Man findet ihn irgendwo, und es ist keine Beschriftung dran, keine direkte Altersangabe, nichts. Man könnte nun eine Theorie aufbauen, er sei von selbst duch Errosion und ähnliches so geworden. Man kann experimentell nachvollziehen und beweisen, daß, wenn ein Feuerstein bestimmter Größe sehr oft von gewissen Höhen auf festen Untergrund fällt, er mit einer geringen Wahrscheinlichkeit genau so aussieht. Wenn man nur genug Zeit hat und genug fallende Steine, dann kann es sicher so einen Faustkeil wie den gefundenen geben, der heißt dann nur nicht Faustkeil. Wenn man nun aber behaupten würde, es wäre damit bewiesen, daß Faustkeile tatsächlich so entstünden, weil man bewiesen hat, daß sie so entstehen können, dann ist das ein falscher Schluß.
Man geht aber bei einem Faustkeil selbstverständlich von einem Schöpfer, einem Designer aus. Warum? Weil es plauibler ist? Oder eher, weil wir den Schöpfer des Faustkeils zu kennen glauben? Man kann nun ebenso experimentell nachweisen, daß ein Mensch mit keinen Werkzeugen außer normalen Steinen einen solchen Faustkeil herstellen kann. Das ist auch kein Beweis dafür, daß es so war. Und zunächst mal erscheint es nach Occam's Razor unplausibler, da es eine weitere - eigentlich unnötige - Entität einführt: den Frühmensch.
Aufgrund der Fundstellen von Faustkeilen und darum befindliche andere Funde und weiterem Wissen gehen wir aber fest davon aus, daß Fauskeile Menschenwerk sind.

Na gut, Menschen kennen wir und ihre Existenz ist unbezweifelbar. Gottes Exitenz ist bezeifelbar. Ist deshalb das Modell unausweichlich das richtige, das ihn als zusätzliche Entität einführt? Ich sage Nein.

Ein wichtiger Punkt ist, daß Intelligent Design eben nicht aussagt, weil z.B. eine einzelne Zelle so furchbar kompliziert ist, könne sie sich nicht langsam entwickelt haben. Das wäre keine Wissenschaft sondern Mutmaßung. Es wird danach gefragt, was mindestens notwendig ist, damit eine Zelle lebensfähig ist. Diese kann nun nicht durch einzelne Schritte einfach so entstehen, da sie ja genau das notwendige Minimum darstellt. Dadurch, daß man eine einfachere Zelle findet, baut oder zumindest plausibel beschreibt und alle Vorgänge darin berechnet, falsifiziert man die Annahme vorher, jene Zelle sei die einfachste.
Wenn es keine Vorform dieser angenommenen irreduziblen Zelle geben kann, weil sie eben am einfachsten ist - belegbar dadurch, daß egal welches kleine bißchen man wegläßt oder einfacher realisiert, sonst muß man eben in der Iteration zu dieser einfacheren Zelle weitergehen - dann liegt der Schluß nahe, daß es einen Designer gab, einen Erschaffer. Welcher Schluß läge näher?

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Comments:
Kepler, JO!
Sonst ganz wie mein Vater, Immer der Sache auf den Grund gehen wollen. Aber wenn du gehst, dann sei dir bewußt , wer dich schickt. Du selbst, oder gar deine Rechthaberei oder ER in seiner Liebe.
Mein Vater hat sich Jahre lang von einen völligen idiotischen Selbstmörder auf den Erkenntnisweg schicken lassen. Am Schluß aß er nur Brommbeerblätter, um zu überleben und da wieder herauszufinden. Er fand mit Seiner Hilfe den Weg.
 
Recht gebe ich Ihnen: Gott lässt nicht weder beweisen noch widerlegen. (Ich bin da allerdings dogmatisch, und als Nicht-Christ ist die Bibel keine Autorität für mich.) Dass manche Atheisten Gott widerlegen wollen, ist wahr, hat aber nichts mit der Intelligent-Design-Debatte zu tun.

Der Faustkeil: Wennn ich keine anderen Angaben habe als das als „Faustkeil“ bekannte Objekt, dann werde ich natürlich keinen Schöpfer-Menschen postulieren. Sondern ich werde, wie Sie schreiben, von natürlichen, zufälligen Vorgängen ausgehen. Wenn ich auf einem Marsfoto ein in den Stein geritztes „B“ sehe, und sonst keine weiteren relevanten Angaben habe über die hinaus, die wir vom Mars haben, werde ich das „B“ dem Zufall zuschreiben. (Ich erwähne das nur, weil es dieses „B“ tatsächlich gibt – „B“ wie „Barsoom“ in den alten Marsgeschichten.)
Occams Rasiermesser greift tatsächlich nicht immer; Kopernikus wollte das geozentrische Weltbild vereinfachen und heraus kam etwas weit Umständlicheres. Je mehr Daten man jedoch sammelt, desto weniger greift das Argument. Irgendwann hatte man so viele Daten, die das geozentrische System nicht erklären konnte, außer, man hätte es soweit erweitert, bis Kopernikus wieder als das einfachere System übriggeblieben wäre.
Der Faustkeil existiert schließlich nicht allein, sondern in einem Umfeld anderer archäologischer Daten.

Aber das ist gar nicht so wichtig, wichtiger ist Ihr Hauptargument. „Ein wichtiger Punkt ist, daß Intelligent Design eben nicht aussagt, weil z.B. eine einzelne Zelle so furchbar kompliziert ist, könne sie sich nicht langsam entwickelt haben.“ Die Schlussfolgerung wird aber doch von ID behauptet, nur der die Begründung ist anders, gehe ich da recht? Letztlich ist das aber doch genau die Begründung, denn einen echten Unterschied zu ihrem nächsten Satz kann ich nicht feststellen: „Es wird danach gefragt, was mindestens notwendig ist, damit eine Zelle lebensfähig ist. Diese kann nun nicht durch einzelne Schritte einfach so entstehen, da sie ja genau das notwendige Minimum darstellt.“
Hatten wir das nicht alles das schon mal mit dem Auge statt der Zelle? Ein halbes Auge ist völlig unbrauchbar, deshalb kann sich ein ganzes Auge nicht evolutionär aus einer Vorstufe entwickelt haben? Das Gegenargument lautet, dass natürlich ein halbes Auge besser ist als gar keines. (Ich habe hier beide Seiten vereinfacht, die Argumente sind wohl bekannt.)
Bei dem Zellen-Argument liegt der Fehler meiner Meinung nach in der Voraussetzung „kleinste lebensfähige Einheit“. Das Argument lautet, sie könne sich nicht aus einer nicht-lebensfähigen Vorstufe entwickelt haben und sei gleichzeitig zu komplex, um spontan entstanden zu sein.
Das ist ein Argument auf sprachlich-logischer Basis und nicht empirischer. Deshalb die sprachlich-logische Antwort: Erst mal kann zum Beispiel ein lebensfähiges aus zwei nicht-lebensfähigen Objekten entstehenn. Zwei Hälften, ein Ganzes. Wieso auch nicht? (Wie gesagt, das ist die logische Antwort; das heißt nicht, dass das so war.)
Viel wichtiger ist aber, was auf dieser Ebene überhaupt „lebensfähig“ heiß. Ist nicht eher „vervielfältigbar“ gemeint? Wer bestimmt sonst, ob eine menschliche Zelle alleine lebensfähig ist, ob Zellorganellen lebensfähig sind, ob organische Moleküle lebensfähig sind? Der Begriff „lebensfähig“ muss hier genauer definiert werden, auf ihm basiert Ihre Argument. Und das kleinste vervielfältigbare Objekt kann sehr wohl spontan entstanden sein. (Dass organische Moleküle spontan entstehen können, darüber sind wir uns einig? Zumindest das hat im Experiment ja geklappt.)

Entschuldigen Sie die Länge. Ich kann ja auch in meinem Blog antworten, wenn Ihnen das lieber ist.
 
Nein, ist in Okay so, vielen Dank für das Kommentar.
Allerdings werde ich bei manchem wohl nochmal länger ausholen und wiederum Blogeinträge schreiben.
 
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