Dienstag, Juli 05, 2005

Gedanken zu Steuern

Ab und zu mache ich mir Gedanken, wie eine tatsächlich sinnvolle Besteuerung aussehen sollte, die wirklich gerecht ist aber auch das tut, was sie tun soll: Steuern. Solche Gedanken werden durch politische Diskussionen, wie sie jetzt wegen der von Schröder heraufbeschworenen Neuwahlen aufflammen, natürlich gefördert.

Meine Ideen hier bedeuten in keinem Falle, daß ich irgendwie mit einer Partei sympatisieren würde, die zufällig ähnlich klingende Steuerideen herumfabulieren. Und die Ideen sind auch a Priori nicht deshalb schlecht, weil Partei XY sie zuerst in der Öffentlichkeit breitgetreten haben sollte.

In einem Punkt bin ich mir ziemlich sicher. Lohnsteuer ist der falsche Weg. Verlockend und einfach, scheinbar gerecht, aber damit wird letztlich Arbeit "bestraft" und Arbeitskräfte für Arbeitgeber künstlich verteuert. Ganz sicher sinnvoll ist eine Mehrwertsteuer, denn da wird Konsum "bestraft". Zu hoch sollten die auch nicht sein, denn dann wird wohl die Verlockung zu groß, irgendwo anders zu kaufen oder sich einen kleinen Laden aufzumachen und einigen Eigenbedarf darüber einfach mehrwertsteuerfrei abzuzweigen. Auf jeden Fall bin ich aber für eine EU-weite Angleichung der MwSt.

Aber man könnte bei der Besteuerung ja auch ganz neue Wege gehen.
Einige Zeit dachte ich über eine reine Gewinnbesteuerung nach. Also erst mal die Gesamtsumme ausrechnen von allen Steuern und steuerähnlichen gehaltsabhängigen Abzwackungen und diese Summe dann auf die gesamten von Unternehmen gemachten Gewinne verteilen, so daß ein Prozentsatz herauskommt, der eben als Gewinnsteuer abgezogen wird. Ein Arbeitnehmer bekommt dann seinen Lohn komplett ausgezahlt, also Brutto für Netto, aber eben nicht in der Bruttohöhe wie vorher, sondern etwa den Nettobetrag. Dann ist der Faktor Arbeit für eine Firma nicht mehr so hoch und es können leichter neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Das Problem ist natürlich, es wird Gewinn "bestraft". Ein Unternehmen, daß gut wirtschaftet wird also mehr zur Kasse gebeten, als eines, daß schlecht arbeitet.

Eine andere Idee, die mir erst kürzlich kam, ist alles über die Grundsteuer zu regeln. Man schafft wie in der obigen Idee alle Lohnsteuer und Pseudofiskus-Kosten ab und legt die Gesamtsumme auf die Grundsteuer um. Natürlich angeglichen an die ortsüblichen realen Grundstückspreise, also Stadtmitte Frankfurt ein höherer Hebesatz als irgendwo im Bayrischen Wald. Diese Grundsteuer sollte dann voll umlegbar sein auf Mieter. Das heißt, die Steuerlast würden den Menschen für das Wohnen auferlegt und nicht für das arbeiten. Wer eine riesige Wohung und Ländereien haben will, muß eben tiefer in die Tasche greifen. Klar gibt es ein paar kleine Ungerechtigkeiten, aber ich meine die bei unserer aktuellen Besteuerungsmethode sind viel höher.

Ich würde mich über eure Gedanken zu den meinigen freuen.

Labels:


Comments:
Ob Lohnsteuer der falsche Weg ist, sei dahingestellt - jedenfalls ist sie in der aktuellen Höhe der falsche Weg. Aber was die Sache wirklich erst ungerecht macht, sind die unzähligen Abschreibemöglichkeiten, die besonders den Menschen offen stehen, die die Lücken in der Steuergesetzgebung kennen (und damit zum großen Teil den Menschen mit sehr hohem Einkommen, bei denen die Kosten für einen Steuerberater dann auch geringer sind als der zu erwartende Nutzen) und somit eine Schieflage künstlich erzeugen. Wenn man die Lohnsteuer auf 10% festlegen würde und im Gegenzug die Abschreibemöglichkeiten auf sagen wir mal 1000 Euro/Jahr und Person beschränken (um zum Beispiel Vereinen nicht die Grundlage ihrer Finanzierung zu nehmen, denn sie leisten wertvolle Arbeit für die Gesellschaft und sollten dafür nicht bestraft werden), dann wäre da einiges schon sehr viel gerechter geregelt und vermutlich wären die Steuereinahmen auch nicht geringer als momentan.

Die Mehrwertsteuer hochzusetzen - nun, darüber kann man auch geteilter Meinung sein. Aber wenn man sie hochsetzt, müssen auf jeden Fall im Gegenzug andere Steuern heruntergesetzt werden - und zwar vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen (und damit kann man nur ernsthaft an der Lohnsteuer drehen, und damit muß man diese nach unten setzen).

Die Grundsteuer hochzusetzen ist hingegen ein zweischneidiges Schwert - einsichtig für Baugelände in großen Städten, vor allem vielleicht in Westdeutschland (wo auch hohe Mieteinnahmen möglich sind), aber wenn man mal in ostdeutschen Städten gesehen hat, wieviele Häuser da leer (und somit ohne Mieteinnahmen) herumstehen, scheint das eher ungeeignet zu sein. Und wenn man landwirtschaftlich genutzte Flächen höher besteuern will, dann sagt man damit letzten Endes aus, daß man in Deutschland keine Landwirte mehr braucht - es ist in Deutschland schon jetzt unmöglich, nahe am Weltmarktpreis für Getreide zu produzieren (hohe Kosten für die nötigen landwirtschaftlichen Geräte, verhältnismäßig kleine Nutzflächen, teure Spritzmittel [deren Nutzung nicht den Bauern angelastet werden kann] etc), aber irgendwie erscheint es mir unverantwortlich, alle Lebensmittel aus dem Ausland zu importieren (und damit für den Transport unnötig viel fossile Brennstoffe zu verbrennen). Von daher erscheint es mir sinnvoller, die Einnahmen zu besteuern - wo Mieteinnahmen anfallen, kann man eher etwas verlangen als da, wo das nicht der Fall ist.

Alles in allem kein sehr einfaches Thema.
 
Danke für den wertvollen Kommentar!

Ich denke im Gegensatz dazu, daß Leerstand bestraft werden sollte, statt belohnt (jetzt ist das so durch Gegenrechnen der "Verluste" aus Leerstand gegenüber den Gewinnen). Durch leerstehende Immobilien wird doch vor allem Geld und Vermögen auf Dauer geparkt und somit am Fiskus vorbeigeschleust. Wenn man es nicht halten kann, weil es sich nicht lohnt, findet sich bestimmt ein anderer, der damit estas lukratives anzufangen weiß.
 
Hallo Jo, hallo Thomas,

Interessante Gedanken, aber wie bei jeder komplexen Materie ist es natürlich eine Sache der Zielsetzung, wo man zum Schluss ankommt. Will heissen: Willst Du soziale oder gerechte Steuern? Was ist "gerecht" - eigentlich doch eine Besteuerung, die Leistung (also im fiskalen Sinne hohe Einkommen) belohnt, oder? Auf der anderen Seite sagt uns einer der Altmeiester der Makro-Ökonomie, John Maynard Keynes, dass man niedrigere Einkommen auch aus volkswirtschaftlichen Erwägungen heraus geringer belasten sollte, da sie einen grössren Teil Ihres Einkommens direkt wieder ausgeben (einfach, weil sie nicht sparen KÖNNEN). Wie lässt sich all das mit einer "sozialen" Marktwirtschaft und sinnvolen Steuermodellen in Einklang bringen?

So ist z.B. die Mehrwersteuer "gerecht", da jeder, unabhängig vom Einkommen den gleichen Prozentsatz bezahlt. Nehmen wir mal 30% MwSt an, wenn wir dafür alle anderen Stuern abschaffen. "Sozial" problematisch ist dabei natürlich, dass ein Menschen mit 6.000 EUR Jahreseinkommen real nur 4.200 EUR in der Tasche hat. Aufgrund der ihm abgezogenen Steuer wird er also von "arm" zu "am Hungertuch nagend" degradiert. Während einer mit 600.000 EUR nur darüber lacht, dass ihm jetzt nur 420.000 EUR Einkaufskraft übrig bleiben.

Die Grundstücksidee leidet an der tatsache, dass nur EINES von allen möglichen Wirtschaftsgütern (Grundbesitz) bestuert wird, während alle anderen Möglichkeiten des Geldversdienens, egal wie abhängig oder unabhängig vom Grundbesitz sie sind (Spekulation an Finanzmärkten, Betreiben einer Werbeagentur mit MItarbeitern im Ausland...) steuerfrei bleiben. Das kommt einer bizarren Wettbewerbsverzerrung gleich.

Mischbesteuerung hat Ihre Probleme, Jo, da stimme ich Dir zu. ich persönlich wäre auch für eine Senkung der Lohn-Steuer und -NK, eine (leichte) Erhöhung der MwSt sowie leichte Steuersenkungen insgesamt.

Thomas Idee einer pauschalen Abschreibungs-Kürzung wäre hingegen fatal für jede wirtschaftliche Aktivität. Ohne Abschreibungsmöglichkeiten sind Unternehmens- und unternehmergewinne nicht realistisch darstellbar, da TATSÄCHLICHE Kosten, die man als Unternehmer hat, nicht gewinnmindernd berücksichtigt würden. Und ohne Unternehmer gibt's auch in den sozialsten Ländern keine Arbeitsplätze. Ich sehe hier eine typische Neid- und/oder Gutmensch-Mentalität, die an den realen Verhältnissen in einer globalisierten Marktwirtschaft vorbeigeht.
 
Natürlich will ich den Balanceakt zwischen sozial und gerecht bei gleichzeitigem Erreichen einer gewissen Freiheit erreichen.

Ich finde übrigens nicht, daß hohes Einkommen auch von einer hohen Leistung zeugt. Im Durchschnitt wird im höchsten Einkommenssektor eher das Gegenteil der Fall sein (reine Spekulation meinerseits).

Stimmt, deine Einwände gegen die Einseitige Besteuerung von Grund und Boden verstehe ich. Es gibt aber eigentlich nicht viel mehr ernsthaftes Kapital. Vielleicht sollte man auch noch brachliegendes Kapital besteuern, aber wozu mehr?

Verzerrt wird der Wettbewerb durch Steuern IMMER. Das ist ja eigentlich auch ihr Ziel, sonst könnten sie ja auch einfach "Tribut" heißen.
Nur, wenn es so kompliziert ist wie jetzt, wird belohnt, daß man besonders fuchsig ist, und die Lücken selbst findet oder eben dermaßen viel verdient, daß er sich die Lücken suchen lassen kann. Und viel Verdienen ist nicht gleich viel Leistung erbringen.
Das ist eine Wettbewerbsverzerrung die so vom Gesetztgeber NICHT erwünscht ist und die nur durch Vereinfachung beseitigt werden kann.
 
Ich muß jetzt nochmal was zu einem Kommentar sagen. Durch leerstehende Immobilien wird doch vor allem Geld und Vermögen auf Dauer geparkt und somit am Fiskus vorbeigeschleust. Das mag vielleicht in Gegenden zutreffen, in denen nur einige wenige Wohnungen leerstehen. Ich sehe aber nicht, wie in den wirklich vielen leerstehenden Wohnungen zum Beispiel in Dresden Geld oder Vermögen auf Dauer geparkt ist. Es sind einfach massenhaft Leute "in den Westen" ausgewandert, weil sie dort eine Arbeit gefunden haben und damit ist der Bedarf für Wohnungen halt deutlich gefallen.

Zum Thema Abschreibungskürzung kann ich bei mir nicht unbedingt eine Gutmensch-Mentalität sehen, aber vor allem sehe ich überhaupt keinen Neid, nutze ich doch selbst verschiedene Abschreibungsmöglichkeiten im Rahmen meiner Möglichkeiten aus (ich zahle trotzdem noch einiges an Steuern). Allerdings ziehe ich eine einfache Analogie zwischen Unternehmen und Privathaushalt: Ein Unternehmen wie auch ein Privatmensch hat Einnahmen (die dann direkt zu besteuern wären) und Ausgaben (die halt geringer als die Nettoeinnahmen sein sollten). Denn so betrachtet erwirtschaftet ein Privatmensch ja durch sein Einkommen auch keine Gewinne, die dann erst versteuert werden, sondern es werden generell alle Einnahmen versteuert, und vom Rest muß man dann seine Ausgaben (Miete, Lebensmittel, aber auch sonstige Ausgaben) bestreiten. Wenn dann noch etwas übrig ist, hat man einen Gewinn erwirtschaftet, der dann aber auch nicht mehr zu besteuern ist. Mag sein, daß das ein naiver Ansatz ist, aber ich sehe nicht, warum man nicht die Einnahmen besteuern sollte statt der Gewinne. Man muß ja nicht den Steuersatz auf 40% heben.
 
Bund, Länder und Gemeinden, sowie die EU und die UN brauchen Geld, um ihren Aufgaben nachzukommen. Deshalb werden Steuern erhoben.

Eigentlich müssen die Steuereinnahmen genau so hoch sein, wie die Ausgaben! Man könnte auch sagen, die Ausgaben dürfen nicht höher sein, als die Einnahmen! Es kommt, wie so oft auf die Sichtweise an.

Über eines sollte man sich aber im Klaren sein: Jede steuerliche Belastung, die einem egal wie gearteten Unternehmen aufgebürdet wird, landet letztendlich beim Endverbraucher!

Wenn wir nun davon ausgehen, dass jeder nach seiner Leistungsfähigkeit besteuert werden soll, landen wir zwangsläufig bei einer Besteuerung ähnlich der momentan vorhandenen.

Ein Unternehmen, welches hohe Gewinne erwirtschaftet kann mehr Steuern bezahlen, als eines, das Verluste macht.

Ein Arbeitnehmer, der viel verdient und sogar noch kinderlos ist, kann eine weitaus höhere Steuerlast vertragen, als jemand, der nur 5 Euro pro Stunde bekommt, und zwei Kinder hat.

Ich denke, vom Grundsatz her ist unser Steuersystem nicht schlecht. Es war definitiv ein Fehler von Schröder den Spitzensteuersatz zu senken. Auch den Wegfall der Vermögenssteuer finde ich schade.

Wir sollten darüber nachdenken nicht weiter verarbeitete Grundnahrungsmittel von der Mehrwertsteuer zu befreien, einen Mindestlohn einzuführen und die Freibeträge so zu gestalten, dass der Mindestlohn auch steuerfrei bleibt und dass im Falle einer Erbschaft das Einfamilienhäuschen verschont bleibt.

Eine weitere Variante ist ein BGE. Wie sich ein BGE tatsächlich auf das Lohnniveau und die Preise auswirken würde ist meiner Meinung nach schwer zu sagen.

Ich halte in jedem Fall eine "Mischbesteuerung" für sinnvoll, weil es auf diese art und Weise mehrere Stellschrauben gibt.

Jürgen Niccum
 
Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen



<< Home

This page is powered by Blogger. Isn't yours?