Dienstag, März 01, 2005

Suchet der Stadt bestes...

...was bedeutet das in einer Welt, die mehr und mehr postsäkular wird?
In der Säkularisierung wurden Kirche und Staat voneinender getrennt, können diese nun wieder mehr zueinander geführt werden?

Eben hatten wir einen Gebetskreis in unserer Gemeinde und beim Gebet der einzelnen für die Stadt kam mir so langsam schleichend eine Idee.
Wie wäre es, wenn man in Darmstadt aus der Evangelischen Allianz heraus eine Partei gründen würde? Eine richtige politische Partei, die in kommunalen Wahlen antritt und ggf. auch mal Bürgermeisterkandidaten stellt. Eine Stimme, die in einer Welt, die heute wieder mehr nach dem Sinn des Lebens hinter dem ganzen technischen Schnickschnack und wissenschaftlichen Selbstverständnis sucht. Nicht um gegen diese Dinge zu opponieren, sondern um ihnen einen guten Halt zu geben. Als Ziel eine Fraktion im Stadtparlament zu formen, die auch mal nach den Zielen Gottes fragt.
Man sollte nicht nur konkret christliche Ziele im Programm haben, sondern auch soziale, kulturelle usw. Vor allem sehe ich auch einen großen Punkt darin zu betonen, daß man jegliche Korruption im Keim ersticken will, so weit es in der Macht einer lokalen Partei stehen kann.
Ich hab nicht wirklich Ahnung, wie man eine Partei gründet und habe noch nicht mal ein Programm einer anderen Partei ganz durchgelesen. Aber ich will diesen Gedanken doch mal andenken und hiermit vorschlagen und lade zur herzlichen Kritik oder zum Mitspinnen ein.

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Comments:
Ich halte gar nichts von der Idee, Kirche und Staat wieder zusammenzuführen. Jesus sagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott ist. Ich möchte auch nicht in der Zeit der Erzbischöfe leben, die sich auf das weltliche Regieren konzentrierten und für die geistliche Herrschaft eigentlich weder die Kompetenz noch die notwendige Zeit aufgewendet haben.

Aber ich halte viel davon, wenn Christen sich in der Politik engagieren. Freilich innerhalb der etablierten Parteien, und nicht als Splittergruppe. Denn eine solche hat meiner Meinung nach auch ohne Fünf-Prozent-Hürde so gut wie keine Chance. Es gibt sie, die sog. "christlichen" Parteien, wie etwa die PBC, aber diese sprechen m. E. nicht für die Gesamtheit der Christen. Und deshalb werden sie auch nur von ihresgleichen gewählt.

Es ist freilich mühsamer, die Mißstände in der Politik von innen heraus zu reformieren. Hier können und sollten wir als Christen aktiv werden, nämlich in dieser Welt (aber nicht von dieser Welt), anstatt uns sektiererisch unsere eigene heile kleine Welt zurechtzuzimmern, in die im Zweifelsfall dann nur wir alleine passen.
 
Ichj glaube eine christliche Partei würde vom eigenen background zerfressen werden. Zu geistlich, oder zuwenig geistlich. Keine christliche Partei könnte alle christlichen Wählerstimmen vereinen, weil wir als Christen einfach zu sektiererisch sind. Die Idee an sich finde ich gut. Die Stelle "gebt dem kaiser, was des kaisers ist" auf diese Frage zu beziehen, halte ich für fragwürdig und exegetisch mehr als wackelig.
Gründe doch wirklich ne Partei, ich würde Dich wählen und auch unterstützen, solange Deine politik sinnvoll ist. Die PBC finde ich nämlich einfach nur peinlich...
 
Ich finde, daß es einen wesentlichen Unterschied gibt zwischen der Macht, die vor allem die römisch katholische Kirche hatte, was einer der Gründe der Säkularisierung war, und dem, wohin die Postsäkulare in meiner Vorstellung zumindest führt.

Matthias: wenn sich ein Christ in der Politik engagieren darf, wieso dann das Zitat oben?
Entweder ein Christ darf es (und das glaube ich), oder nicht. Und wenn er es darf, dann kann er es in existierenden Parteien machen oder in neuen eigenen. Das wäre im einzelnen auf keinen Fall durch Argumente aus der Bibel voneinander unterscheidbar.

Über die 5% Hürde kommen in Darmstadt immerhin schon drei Parteien. Wenn man es tatsächlich schaffen würde, eine aus der Allianz aufzubauen, die deren Ziele vor Augen hat und nicht die Unterschiede der einzelnen Teilnehmer könnte da was draus werden.

Kann aber auch sein, daß man noch warten muß, bis eine Generation weiter ins Land gegangen ist, und die Saat, die heute mit der Jugendallianz gesät wird, Frucht trägt. Ich meine nicht für die Politik, für die Einheit im Glauben. Und daraus kann dann vieles erwachsen.
 
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