Sonntag, Januar 23, 2005

Objektiver Journalismus zum Thema Schöpfung?

Es ist schon unglaublich, wie weit weg Journalisten oft von der Realität schreiben. Gut, manche Leser erwarten das quasi, und glauben eh keinem ein Wort mehr. Aber andere meinen oft, es wäre wichtig und gut ordentlich recherchierte Artikel zu haben, anstatt wahlloses Geschreibe von journalistischen Laien.
Diese sind doch aber wenigstens manchmal Profis in dem Thema, über das sie gerade berichten. Ein Journalist wird das fast niemals sein.
Das ist ein Gebiet, wo ich hoffe, daß die Blogoshpäre noch mehr an Bedeutung gewinnt, und man sich auch ein anderes Bild machen kann, als es einem die Redaktionen der Mainstream-Presse aufoktruieren wollen.

Es war ja schon unglaublich, mit welchen merkwürdigen Argumenten in der P.M. 9/2004 über die Kreationisten hergezogen wurde. Aber von der P.M. habe ich ja im Grunde genommen diese Oberflächlichkeit erwartet. Krass fand ich es, als dann kurz später in der National Geografic 11/2004 das Thema Schöpfung vs. Evolution sogar zum Titel erhoben wurde. "Lag Darwin falsch?" fragen Sie im Titel und beantworten es über dem Artikel in einem an die Bild-Zeitung erinnernden die ganze Seite überspannenden "NEIN!" worauf sie danach angebliche Belege liefern. Um es klar zu sagen: Alle diese "Belege" lassen sich auch plausibel in einer Weltanschauung, in der man an die Schöpfung glaubt, wissenschaftlich erklären, sie belegen also mitnichten das behauptete Nein.
Wenn ich Zeit und Muse finde schreibe ich vielleicht zu den einzelnen Punkten meine Interpretation.

Den Boden aus dem Faß des schlechten Journalismus schlug aber der Spiegel in dem Artikel Lebt denn d'r alte Darwin noch? (Artikel leider nicht mehr online verfügbar) vom 14. Januar 2005.
Es muß überhaupt kein Argument mehr vorgebracht werden, allein die Tatsache, daß diese Menschen an Gott und die Schöpfung glauben beweist für den diesen Artikel schreibenden Journalisten, daß alle ihre Arbeit komplett unwissenschaftlich sein muß.
Wie "gut" dieser sich informiert und recherchiert hat, zeigt sich am Ende des Artikels, wo er auf die deutsche Szene dazu "eingeht".
Was er da nennt sind Merkwürdigkeiten von Menschen, die möglicherweise am Rande auch an eine Schöpfung glauben.
Aber daß ihm beim recherchieren zu einem Artikel über den Umgang von und mit Schulbüchern zum Thema Kreationimus und Intelligent Design entgangen ist, daß der Deutsche Schulbuchpreis 2002 (dort -> Neues zum evolutionskritischen Lehrbuch) an das Buch Evolution - Ein kritisches Lehrbuch der Studiengemeinschaft Wort und Wissen ging, ist schon erstaunlich.
Dies ist natürlich nicht kritiklos geblieben, wie man z.B. bei Thomas Waschke nachlesen kann. Den Kritiken ist aber an verschiedenen Stellen begenet worden, z.B. hier.
Wenn man aus der Tiefe der Kenntnis des Journalisten von der Beschäftigung der deutschen Forscher mit Intelligent Design ausgeht, was sagt das dann über die Qualität der Darstellung über die Szene in den USA aus?

Für Leute, die jetzt Fragen zur Schöpfungslehre oder Intelligent Design haben, oder glauben, daß ganz tolle Argument gefunden zu haben, wieso das ganz furchtbar unwissenschaftlich ist, so was zu glauben, verweise ich zunächst auf die Seiten von GenesisNet und Wort und Wissen, wo viele Fragen aufgegriffen und behandelt werden.

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Comments:
Ich habe vor vielen, vielen Jahren das 1984 erschienene Buch Evolution in der Zeitenwende von Willem J. Ouweneel gelesen. Was mich daran gestört hat, ist der Ansatz, aus den Unzulänglichkeiten der Evolutionstheorie (die es auf jeden Fall gibt, denn sie ist ja nur eine wissenschaftliche Theorie, die auch an ihre Grenzen stößt, und unsere Erkenntnis ist nun mal begrenzt) und aus den entsprechenden Stellen der Bibel folgert, dass der Kreationismus die überlegene Theorie sei (aber keine wirklich stichhaltigen Nachweise im positiven Sinne führt).

Ganz anders das 1990 erschienene Buch Schöpfung und Urknall von Gerald L. Schroeder, der naturwissenschaftlich nachweist, dass die Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie durch zufällig ablaufende chemische Reaktionen statistisch gesehen so gut wie unmöglich ist, und dass sich Schöpfungsgeschichte und kosmologische Theorie über die Entstehung unseres Universums ergänzen.

Ich bin sicher, dass es auch andere wissenschaftliche Bücher, auch neueren Datums, gibt, welche zu diesem Thema lesenswert sind, habe mich aber geraume Zeit nicht mehr mit diesem Thema beschäftigt.
 
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich sehr skeptisch immer dann bin, wenn eine Weltanschauung, wie auch immer, dazu benutzt wird, um eine (wissenschaftl.) Theorie prinzipiell auszuschließen, weil sie einem eben nicht passt. Sicher mag es "Darwinisten" geben, denen das als die einzig mögliche Sichtweise erscheint, weil sie nicht an Gott glauben, und auch wenn natürlich niemand seine Weltanschauung ausblenden kann, sollte doch Wissenschaft, die diesen Namen verdient hat, so betrieben werden, dass sie auf objektiv nachprüfbaren Fakten beruht und nicht auf einer wie auch immer gearteten Weltanschauung. Die Kritik bzgl. des Deutschen Schulbuchpreises fand ich sehr interessant - und es ist für mich ziemlich deutlich geworden, dass die Vergabe nicht nur durch Qualität, Wissensvermittlung, pädagogische Eignung usw. geleitet ist, sondern insbesondere christlich-religiös motiviert ist. Das kann man natürlich so machen, aber dann sollte im Namen des Preises dieses irgendwie auch Erwähnung finden. Alles andere finde ich unredlich.
 
Mir ist meine Weltanschauung - eben mein Christlicher Glaube - aber im Prinzip näher als die Wissenschaft.
Selbst wenn eine Wissenschaft in ihrem Sinne beweisen würde, es gäbe keinen Gott, würde ich dennoch an ihn Glauben.
Das heißt aber nicht, daß ich eine wissenschaftliche Theorie nur unter meiner Weltanschauung betrachten kann. Die Trennung von dieser und Wissenschaft besteht eben genau darin, zu wissen welche Schlüsse man innerhalb welcher Weltanschauung ziehen kann, und warum.
Ohne Weltanschauung geht es nicht, und einfach mit Occams Razor die Ansicht ohne Gott als die mit weniger Unbekannten als wahr anzunehmen ist meiner Meinung nach Unfug. Das Einfachere ist das bessere Modell, es gibt aber keinen Grund für die Wahrheit, einfach zu sein.
 
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